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Höllenritt mit 8000 Stundenkilometern
Erstellt von Kugelschreiber am 27.03.2004 16:43  
Drei Jahre nach dem misslungenen Rekordflug wagt die Nasa morgen einen neuen Versuch. Der Superjet X-43A soll für wenige Sekunden siebenfache Schallgeschwindigkeit erreichen. Militärs haben bereits ein Auge auf die neue Antriebstechnik geworfen.

Am morgigen Samstag will die US-Raumfahrtbehörde ein neues Kapitel in der Antriebstechnik aufschlagen. Der 3,6 Meter lange und 1,6 Meter breite Hyperschall-Jet X-43A soll für rund zehn Sekunden mit einer Geschwindigkeit von 8000 Stundenkilometern durch die Lüfte rasen. Der unbemannte Flieger wäre damit sieben Mal so schnell wie der Schall.

Die X-43A nutzt als Antrieb keine herkömmliche Raketentechnik, denn der Jet hat nur Treibstoff und keinerlei Sauerstoff an Bord. Den Sauerstoff holt sich die Maschine direkt aus der Luft. Bei Düsentriebwerken verdichten rotierende Schaufeln die einströmende Luft, bevor in ihr der Treibstoff gezündet wird. Bei der X-43A soll diese Verdichtung allein durch die Geschwindigkeit des eigenen Vortriebs erreicht werden.

Der Flug gilt als Test, ob diese so genannte Scramjet-Technik tatsächlich funktioniert und in ferner Zukunft bei Flugzeugen oder Raumgleitern zum Einsatz kommen könnte.

Um letztlich auf siebenfache Schallgeschwindigkeit zu kommen, braucht der Superjet gleich eine zweifache Schubhilfe. Ein umgebauter B-52-Bomber und eine Pegasus-Rakete beschleunigen den Superjet auf etwa fünffache Schallgeschwindigkeit, bevor er seinen eigenen Antrieb startet. Die Scramjet-Technik erfordert derartig hohe Anfangsgeschwindigkeiten, um überhaupt zu funktionieren.

Laut Nasa wird der Hyperschall-Antrieb genau zehn Sekunden arbeiten. Dann soll, so hoffen die Techniker, der Geschwindigkeitsmesser bei siebenfacher Schallgeschwindigkeit stehen. Ein erster Rekordversuch mit einem X-43A-Jet vor drei Jahren wurde zum Fiasko. Schon in der Anfangsphase geriet die Trägerrakete Pegasus außer Kontrolle. Die Nasa sprengte daraufhin den Prototyp des Superjets. Die Trümmer fielen in einem vorher geräumten Testgebiet vor der Küste Kaliforniens ins Wasser. Es gab weder Verletzte noch Sachschäden.

Die nachfolgende Untersuchung ergab, dass vorherige Simulationen nicht ausgereicht hatten, um die Pegasus-Rakete präzise genug zu steuern. Die Technik wurde deshalb überarbeitet - Tests mit derartig hohen Geschwindigkeiten im Windkanal bleiben jedoch schwierig. Als besonders riskant gilt die Abkopplung des Jets von der Pegasus-Rakete. "Wir haben noch nie zwei Fluggeräte bei Mach 5 getrennt", sagte Leslie Williams, Sprecher des Dryden Flight Research Center Der Nasa gegenüber dem Nachrichtendienst cnn.com.

Das gesamte Hyper-X-Programm der Nasa zur Entwicklung von neuen Antriebstechniken umfasst 250 Millionen US-Dollar. Der Etat wurde jüngst gekürzt. Ein Sprecher der Weltraumbehörde betonte, dass Hyper-X trotz aller Kürzungen weiterlaufe. Es könne zu zeitlichen Verschiebungen kommen, das Programm selbst stehe jedoch nicht in Frage.

Scramjets könnten eines Tages sowohl militärisch als auch zivil genutzt werden. Geschwindigkeiten über Mach 10 sind theoretisch möglich, der Antrieb könnte sogar Raumgleiter in eine Erdumlaufbahn schießen. Die Nasa hofft mit der neuen Technik, eines Tages die hohen Transportkosten für Fracht ins All senken zu können.
www.spiegel.de
 

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